Das Modellprojekt der Alzheimer Gesellschaft Bochum e.V.
"Forschungsprojekt
zur Erfassung der Versorgungssituation von Demenzkranken in Bochum und
Umgebung unter besonderer Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse
der Betroffenen."
| Das Forschungsprojekt:
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Vom 1. Mai 2000 bis zur Mitte des Jahres 2003 führte die Alzheimer Gesellschaft Bochum e. V. eine dreijährige wissenschaftliche Untersuchung durch. Das Forschungsprojekt der Alzheimer Gesellschaft Bochum
war eingebunden in das bundesweite Modellprogramm "Altenhilfestrukturen der Zukunft", dass vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
(BMFSFJ) in Auftrag gegeben wurde.
Problemstellung und Ziele des
Projekts:
"Das
Modellprojekt setzt an der Problematik an, dass den betroffenen
Demenzerkrankten und ihren
Angehörigen eine möglichst genau an ihrem jeweiligen Bedarf
orientierte Hilfe vermittelt werden sollte. Dazu fehlt jedoch eine
hinreichende Transparenz sowohl auf der Angebots- als auch auf der
Nachfrageseite. Neben der Feststellung der in einer definierten Region
vorhandener Angebotsstruktur zur Versorgung demenziell erkrankter
Menschen war es ein Hauptziel des Projektes, die Bedürfnisse von
demenziell erkrankten Menschen zu erheben und zu prüfen, inwieweit die
Anbieter von Versorgungsleistungen für demenzkranke Menschen in der
Lage sind, die von den Kranken geäußerten Bedürfnisse in der Pflege
und Betreuung angemessen zu berücksichtigen. Dabei sollte auch geprüft
werden, welche Diskrepanzen zwischen vorhandenen und geforderten
Angeboten für Demenzkranke bestehen und welche Ursachen aus Sicht der
Professionellen hierfür verantwortlich sind."
Projektverlauf:
"Im
ersten Teil des Forschungsprojektes ging es darum, einen quantitativen
Überblick über die bestehenden Versorgungsangebote speziell für
Demenzkranke durch eine schriftliche Befragung von insgesamt 83
Einrichtungen zu erhalten. Es sollte neben den konkreten Beschäftigungsmaßnahmen
für Demenzkranke auch erhoben werden, welche Methoden und Inhalte dabei
umgesetzt werden. Weiterhin sollte das Qualifikationsniveau der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege und Betreuung von
Demenzkranken erfasst werden. In die Untersuchung wurden Beratungs- und
Informationsstellen, Kliniken (psychiatrische bzw.
gerontopsychiatrische, geriatrische und neurologische Fachkliniken bzw.
-abteilungen), ambulante Pflegedienste, Tages- und
Kurzzeitpflegeeinrichtungen sowie vollstationäre
Altenhilfeeinrichtungen einbezogen."
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"Im
zweiten Teil des Projektes ging es um die Erfassung der subjektiven
Lebensqualität von Demenzkranken. Die insgesamt 25 Interviews mit
Erkrankten und z.T. deren Angehörigen thematisierten die Wünsche und
Bedürfnisse der Demenzkranken, ihre Alltagsnöte sowie ihre Hoffnungen
für die Zukunft. Da der Verlust von sprachlichen Fähigkeiten zu den
wesentlichen Symptomen des demenziellen Abbauprozesses gehört, kam es
in diesem Projektabschnitt auch darauf an, eine geeignete Gesprächstechnik
zu entwickeln. "
"Der
dritte Teil des Forschungsprojektes hatte die Aufgabe, die aktuellen
Versorgungsangebote von ambulanten, teilstationären und stationären
Einrichtungen unter besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse und
Ressourcen von Menschen mit Demenz zu analysieren. Hierfür wurden mit
Hilfe eines Interviewleitfadens insgesamt 73 Interviews mit
Leitungspersonen der jeweiligen Einrichtungen geführt. Ziel der offenen
Fragen war es, auszudifferenzieren, wie die Arbeit der jeweiligen
Einrichtungen mit Demenzkranken konkret gestaltet wird. Untersucht
werden sollte auch, inwieweit Einrichtungen, die über ein spezielles
Demenzkonzept verfügen, die in dieser Untersuchung postulierten
Bedingungen, wie die Förderung der Qualifikation von Mitarbeitern sowie
von ehrenamtlichem Engagement, gezielter und konsequenter umsetzen können
als Einrichtungen ohne spezifisches Konzept für Demenzkranke."
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Ergebnisse und innovativer Ertrag des
Projekts:
"Die
Auswertung der Angaben der 83 in Teil I des Projektes befragten
Einrichtungen zeigt, dass diejenigen Versorger, deren Leistungen
demenzspezifisch definiert sind und von ihnen auch als solche
ausgewiesen bzw. transparent gemacht werden, ein breiteres und
gezielteres Angebot für Demenzkranke vorhalten als solche
Einrichtungen, die Demenzkranke lediglich im Rahmen ihrer allgemeinen
gesetzlichen Versorgungsaufträge und/oder Dienstleistungsangebote mit
berücksichtigen. Während nur in knapp 40% aller Einrichtungen
gerontopsychiatrisch qualifiziertes Personal arbeitet, ist das
gerontopsychiatrische Kompetenzprofil in ausschließlich auf
Demenzkranke spezialisierten Einrichtungen deutlich besser (65%
Qualifizierte). Bei den ambulanten Pflegediensten sind methodische
Kompetenz und Spezifik der Angebote am geringsten ausgeprägt."
"Die
Auswertung der Interviews mit 25 demenziell erkrankten Personen (Teil
II) bestätigt die auch bislang bekannten Bedürfnisprofile. Vor allem
wird der Wunsch nach Zugehörigkeit sowie nach sozialen Kontakten und Nähe
zu Familie und Freunden verdeutlicht. Aus den Leitfadeninterviews mit
Leitungspersonen (Teil III) wird ersichtlich, dass die aktuellen und zukünftigen
Versorgungsangebote für Demenzkranke durch die knappen personellen,
finanziellen und zeitlichen Ressourcen sowie die gegebenen gesetzlichen
Bestimmungen begrenzt werden."
"Dennoch
deuten die Ergebnisse dieser Untersuchung darauf hin, dass durch eine
stetige Zunahme von Einrichtungen, die neue Konzeptideen für
Demenzkranke entwickeln und umsetzen, das Wohlbefinden von Demenzkranken
damit auch mittel- und langfristig verbessert werden könnte. Weitere
wichtige Indikatoren für eine an den Bedürfnissen der Demenzkranken
orientierte Pflege und Betreuung sind die Einbindung von Angehörigen
und geschulten Ehrenamtlern sowie die Berücksichtigung biografischer
Daten und die konsequente Umsetzung der Bezugspflege. Entsprechend dem
Anspruch einer Analyse regionaler Angebotsstrukturen in Bezug auf ein am
Versorgungsklientel gewonnenes Bedürfnisprofil werden für die
Modellregion spezifische Basisinformationen gewonnen."
"Als
innovatives Ergebnis ist auch das entwickelte Interviewverfahren zur
Befragung von leichten bis mittelschwer demenziell Erkrankten zu sehen."
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Literatur:
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Altenhilfestrukturen der
Zukunft. Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitforschung zum
Bundesmodellprogramm. 2004. S. 218 ff.)

Download Teil III:
Modellprojekt
Teil III
(PDF-Format / 388 KB)
Anlage 2 "pflegerische
Interventionen für Demenzkranke
in ausgewählten Fallsituationen" des
Modellprojekts Teil III
(PDF-Format / 130 KB)

Projektleitung:
Alexander Neidhard, geb. 1951, Arzt und Supervisor (DGSv)
Projektmitarbeiterinnen:
Maren Niebuhr-Rose,
geb. 1971, Soziologin, M.A.
Jutta
Meder, geb. 1955, Verwaltungsangestellte
Beate
Schulte, geb. Stach 1965, Diplom-Pflegewissenschaftlerin (FH)
(freie Mitarbeiterin der Alzheimer Gesellschaft Bochum
e.V.)